Auf geht’s nach Arco

Mit drei Autos brachen wir von München in den sonnigen Süden zum Gardasee auf. Nach rund vierstündiger Fahrtzeit erreichten wir Arco – das wohl bekannteste Klettergebiet in den Alpen. Zwei passende Plätze im Camping Zoo waren schnell gefunden und wir begannen unser Basecamp für unseren Alpinkletterkurs aufzubauen und einzurichten. Hier würden wir die nächsten fünf Tage verbringen – falls wir nicht gerade am Fels sind – um zusammen zu kochen, zu essen, zu schlafen und natürlich für die vielen anstrengenden Theoriestunden 😉

Gleich am Nachmittag ging es los mit einer Einführung in die Materialkunde. Da die meisten von uns noch Alpinkletter-Neulinge sind, waren vor allem die mobilen Sicherheitsgeräte, die unser Kursleiter Jochen mitgebracht hat, für alle hochinteressant. Danach ging es dann gleich los zu einem Nahe gelegenen Klettergarten, um die erste Praxisstunde abzulegen. An einem netten kleinen Übungsfelsen lernten wir zuerst, wie man richtig abseilt. Bereits hier hat sich schon gezeigt, wieviel Fingerspitzengefühl Jochen an den Tag legt: Er hat sofort die richtige Dosis an Details gefunden, ohne dass es jedoch langweilig oder zu viel wurde! Zum Abschluss haben wir uns noch an ein paar der Routen ausgeklettert, bevor es dann zurück zum Camp ging. Bei hervorragendem Süßkartoffelcurry mit Reis, gekocht von Melli und Anna, ließen wir dann den ersten Tag ausklingen und diskutierten über all die Dinge, die wir in den nächsten Tagen noch lernen würden.

Wo geht’s hier zur Mehrseillängen-Route?

Der zweite Tag begann wiederum mit einer Theoriestunde. Neben den Grundzügen des Standplatzbaus haben wir auch ausgiebig die verschiedenen Knoten besprochen, die man als Alpinkletterer unbedingt beherrschen sollte. Danach ging es wieder an unsere bereits bekannte Übungsplatte. Wir verbrachten den ganzen Vormittag damit, verschiedene Varianten des Standplatzbaus auszuprobieren. Jeder durfte mal vorsteigen und mal nachsteigen, um das Handling zu erlernen.

Nach einem Mittagessen zurück im Basecamp sind wir am Nachmittag zu einem Ortsteil von Arco names Chiarano aufgebrochen, mit dem Ziel unsere erste kurze Mehrseillängentour zu gehen. Durch kleine verwinkelte Gässchen und ausgedehnte Olivenhaine erreichten wir den Wandfuß nach kurzem Zustieg. Leider ist uns bei der Navigation ein kleiner Fehler unterlaufen, und wir erreichten den falschen Teil der Wand. Nachdem wir dann festgestellt hatten, dass die Routen deutlich schwerer als angenommen waren und zudem teilweise gar keine Mehrseillängen waren, kehrten wir etwas enttäuscht Richtung Zeltplatz zurück. Unsere erste Mehrseillängentour musste wohl auf den nächsten Tag warten. Ein leckeres Steinpilzrisotto, zubereitet von Kati und Stefan, heiterte unsere Stimmung aber sofort wieder auf!

Und wie kommt man wieder runter?

Der dritte Tag vom Alpinkletterkurs begann im Grunde wie der zweite Tag: Nach unserem Frühstück erfolgte wieder der kurze Fußmarsch zu unserem Übungsfelsen. Heute erklärte uns Jochen, wie man mit zwei Halbseilen in einer Dreierseilschaft geht. Neben einer kleinen Änderung beim Sichern kommt es hier beim Nachstieg sichern vor allem darauf an, die beiden Seile der zwei Nachsteiger gleichzeitig einzuziehen, ohne zuviel Schlappseil zu geben. Das ist am Anfang ziemlich ungewohnt und braucht einige Zeit, um sich richtig einzuspielen.

Am Nachmittag erfolgte dann Versuch zwei an der Wand bei Chiarano. Diesmal schafften wir es erfolgreich an den richtigen Teil der Wand 😉 In drei Zweierseilschaften ging es dann parallel in drei Seillängen eine griffige Platte nach oben. Von hier aus genossen wir dann die herrliche Aussicht über Chiarano bis hinunter zum Gardasee, während Jochen zur Höchstform auflief. Die einzige Möglichkeit wieder nach unten zu bekommen, bestand nämlich im Abseilen. Da wir bis jetzt das Abseilen nur immer “im Trockenen” an unserem Übungsfelsen geübt hatten, musste Jochen uns jetzt noch zeigen, wie man an einem Standplatz das Seil richtig umfädelt. Während er also zwischen den Routen hin- und herpendelte und uns alles erklärte, genossen wir die Sonne. Wieder am Wandfuß angekommen, kehrten wir erschöpft aber glücklich zurück zum Zeltplatz, wo Paco und Jochen uns mit Linsen und Gemüse verköstigten.

Übung macht den Meister

Am vierten Tag brachen wir zu unserer üblichen Startzeit zu einem Klettergarten am Paso San Giovanni auf, um den Umgang mit mobilen Sicherungsgeräten zu Lernen. Darauf hatten sich schon einige von uns gefreut. Nachdem wir einen passenden Felsen entdeckt hatten, durfte nach kurzer Einweisung jeder sein Glück probieren und Klemmkeile und Camelots in die verschiedensten Risse und Spalten zu setzen. Anschließend wurde jedes Sicherungsmittel begutachtet, diskutiert und letztendlich auch belastet. Zum Abschluss durfte jeder von uns nochmal eine kurze Route klettern, bei der wir nur mobile Sicherungsgeräte eingesetzt haben. Die ersten (gewollten) Stürze in die Keile bzw. Friends haben dann aber auch einiges an Überwindung gekostet.

Nach dieser entspannten Einführung sind wir dann weiter Richtung Torbole gefahren. Hier führen mehrere Routen an einer steilen Platte direkt über den Tunnel, den wir gerade noch mit dem Auto durchquert haben. In herrlicher Plattenkletterei direkt am Ufer des Gardasee sind wir in zwei Dreierseilschaften einige Seillängen hochgeklettert. Nachdem wir ausgiebig die atemberaubende Aussicht über den Gardasee genossen haben, sind wir abgeseilt und zurück zum Camp. Nun erfolgte noch die Tourenplanung für unsere große Abschlusstour am nächsten Tag in den Nahe gelegenen Sonnenplatten. Nachdem wir unseren Plan (sowie mehrere Ausweichrouten) gefasst hatten, gingen wir zu Fuß Richtung Arco um diesen schönen Tag bei einem ausgiebigen Abendessen mit exzellenter italienischer Pizza ausklingen zu lassen.

Die große Abschlusstour

Am fünften Tag kam nun der krönende Abschluss. Nachdem wir uns am Vorabend spontan entschlossen hatten, noch eine Nacht länger zu bleiben (weil wir soviel Spaß zusammen hatten), sparten wir uns das stressige Zusammenpacken, sondern brachen nach dem Frühstück gleich Richtung Norden ins Sarcatal auf. Wir hatten uns für die Tour 46° Parallelo an den sog. Sonnenplatten entschieden. Leider befand sich schon eine Seilschaft vor uns am Wandfuß, die sich langsam fertig machte, sodass wir zu Plan B umschwenkten. Die Route Gino Gianna war zwar um eine Seillänge kürzer, hatte dafür aber eine schön knackige Stelle, die mit 5a bewertet wurde. Wieder kletterten wir in zwei Dreierseilschaften. In der Wand zeigte sich dann leider, dass die Topos des Klettergebiets leider nicht so zuverlässig waren. Die Routenführung war oftmals nicht ganz klar und zudem um eine Seillänge kürzer als im Topo angegeben. Am Ende schafften wir aber alle den Aufstieg, auch wenn beide Seilschaften zwei mehr oder wenige unterschiedliche Routen gegangen sind. Glücklich und zufrieden kehrten wir ein letztes Mal zu unserem Zeltplatz zurück, wo wir zusammen noch Pasta mit Gemüse kochten.

Am nächsten Morgen war unser Alpinkletterkurs dann leider schon vorbei. Wir alle hatten einen Riesenspaß zusammen und haben wahnsinnig viel gelernt. Jochen war ein super Kursleiter, der auf alle Fragen eine Antwort parat hatte und der uns alles sehr verständlich erklärte. Zum Abschluss powerten wir uns dann noch beim Sportklettern aus, bevor wir uns auf den langen Weg zurück nach München machten.

Text: Stefan Weichselbaumer
Bilder: Melanie Gründl, Anna Hillenmayer, Katalin Nagy-Major, Paco Sevilla, Jochen Zentgraf